Einfahren: was wann ins Becken kommt und warum
Seit heute ist Wasser im Becken. Fünf Mittel, eine Reihenfolge und eine Prüfung, die entscheidet, wann Korallen und Fische kommen.

Auf einen Blick
- Gemacht
- Becken mit Salzwasser gefüllt, Dosierplan fürs Einfahren festgelegt.
- Wichtigster Entscheid
- Erst wenn die Ammoniumprobe zweimal bestanden ist, kommen Wasserwechsel, Licht, Korallen und Fische.
- Als Nächstes
- Heizer auf 25 °C, Salinität auf 35 PSU, KH und Phosphat messen, dann mit Ammonium und Nite-Out II starten.
Seit heute ist Wasser im Becken. Die Temperatur steigt noch, die Salinität steht bei 33 PSU. Ab jetzt geht es nicht mehr um Bretter und Schläuche, sondern um Bakterien. Die sieht man nicht und sie haben trotzdem das letzte Wort.
Dieser Eintrag sagt nur das: womit wir einfahren, was vor dem ersten Tropfen stimmen muss, was wie viel dosiert wird und woran wir merken, dass der nächste Schritt kommen darf. Die lange Begründung steht im Plan aus Woche 0 und im Dosierplan aus Woche 4.
Die Mittel und wozu
Ammoniumchlorid ist das Futter. Im Becken lebt noch nichts, das Ammonium ausscheidet. Also geben wir es selbst dazu, sauber und in bekannter Menge. Ohne Futter keine Bakterien.
Nite-Out II von Microbe-Lift sind die Bakterien. Nitrifizierende Bakterien, die aus Ammonium erst Nitrit und dann Nitrat machen. Das Trockengestein bringt keine mit, der Arag-Alive-Sand nur ein paar.
Microfauna Booster von Daphbio ist Futter für das, was nach den Bakterien kommt. Daphbio sieht ihn ausdrücklich für die Einfahrphase vor.
Die lebende Kultur von Daphbio sind die ersten Mitbewohner: Kleinstlebewesen, die das Gestein besiedeln. Sie wartet im Kühlschrank, bis das Becken bereit ist.
Carbonate-Mix aus dem Balling Light ist die Reserve für die KH. Dazu unten mehr, denn das ist der Teil, an den ich bis gestern nicht gedacht habe.
Calcium- und Magnesium-Mix, Zoo Booster und Special Blend bleiben zu. Die braucht es erst, wenn jemand im Becken ist, der etwas verbraucht oder frisst.
Die Ausgangslage
Dosiert wird erst, wenn das Wasser so ist, wie es bleiben soll. Bakterien mögen keine Umzüge.
- Temperatur 25 °C. Morgen sollte der Heizer so weit sein.
- Salinität 35 PSU. Von 33 auf 35 PSU braucht es bei rund 400 Litern Wasser etwa 900 g Salz, gelöst in einem Kübel Beckenwasser. Im leeren Becken darf das auf einmal passieren. Rechnen lässt es sich mit Salinität ändern.
- KH gemessen. Der Wert vor dem ersten Ammonium ist der Startwert für alles, was danach kommt.
- Phosphat einmal gemessen. Das geht nur jetzt. Werden in drei Wochen die Scheiben braun, will ich wissen, ob es aus dem Wasser kam oder aus dem Gestein.
Der Start
Am ersten Tag in dieser Reihenfolge:
- Ammonium auf 2 mg/l. Für rund 400 Liter sind das etwa 2.4 g Ammoniumchlorid. Einfacher ist eine Stammlösung: 10 g in 100 ml Osmosewasser lösen, dann sind es 24 ml. Die Flasche beschriften und in den Kühlschrank stellen.
- Nach einer Stunde messen. Die Gramm sind gerechnet, das echte Wasservolumen kennt niemand genau. Stimmt der Wert nicht, korrigieren: 12 ml Stammlösung heben um rund 1 mg/l.
- 43 ml Nite-Out II dazu, vorher gut schütteln. Das sind 10 ml je 100 Liter auf 433 Liter Systemvolumen.
Jeden Tag
- 43 ml Nite-Out II, bis die Flasche leer ist.
- NH4 und NO2 messen. Fällt NH4 unter 0.2 mg/l, wieder auf 2 mg/l dosieren. Steht NO2 über 2 mg/l, nur auf 1 mg/l.
- Temperatur und Salinität notieren.
- Alle zwei Tage die KH. Darunter steht, warum.
Milchiges Wasser in den ersten Tagen ist eine Bakterienblüte und geht von allein. Braune Beläge ab der zweiten Woche sind Kieselalgen.
Bei beiden gilt: hinschauen, nichts tun.
Warum die KH sinkt
Die Bakterien arbeiten nicht gratis. Wenn sie Ammonium zu Nitrat machen, entsteht Säure und die frisst Karbonathärte. Aus der Abwassertechnik ist die Zahl bekannt: 7.14 mg Alkalinität als CaCO₃ je Milligramm oxidiertem Ammonium-Stickstoff (CWEA).
Für uns heisst das: Jede volle Gabe von 2 mg/l Ammonium kostet rund 0.6 °dKH. Zehn Gaben während des Einfahrens wären rechnerisch 6 °dKH. In der Praxis ist es meist etwas weniger, weil nicht alles Ammonium den Weg über die Nitrifikation nimmt. Unterschätzen sollte man es trotzdem nicht. Fällt die KH, fällt auch der pH, und bei tiefem pH arbeiten genau die Bakterien langsamer, die wir gerade füttern. Dann hängt das Einfahren und man sucht den Fehler überall, nur nicht dort.
Fällt die KH unter 7, kommt Carbonate-Mix dazu: rund 80 ml je °dKH auf unsere 400 Liter und höchstens 1.4 °dKH am Tag. Genau rechnet das KH, Calcium und Magnesium.
Wenn das Nitrit fällt
Erst steigt das Nitrit, dann fällt es. Auf Trockengestein kann das dauern. Sobald es deutlich fällt, ungefähr nach einer Woche:
- Microfauna Booster: 40 ml am Abend, Montag, Mittwoch und Freitag.
- Abschäumer an den Booster-Abenden aus, bis zum Morgen. Sonst holt er das Futter heraus, bevor es jemand frisst.
Die Ammoniumprobe
Das ist die eine Prüfung, an der alles Weitere hängt. Wir dosieren 2 mg/l Ammonium. Nach 24 Stunden müssen NH4 und NO2 beide unter 0.2 mg/l liegen. Das zweimal, an verschiedenen Tagen.
Ist sie bestanden, ist Schluss mit Ammoniumchlorid. Die Nitrifikation steht und der Filter trägt mehr als das, was als Erstes einzieht.
Danach: Wasserwechsel, Korallen, Fische
Am Tag nach der Ammoniumprobe:
- Wasserwechsel rund 50 %. Zehn Gaben Ammonium sind am Ende viel Nitrat. Ziel sind 5 bis 10 mg/l.
- Die lebende Kultur von Daphbio, am Abend bei ausgeschalteter Strömung und ausgeschaltetem Abschäumer. Vorher schaue ich nach, ob sich darin noch etwas bewegt. Sie steht seit Mitte September im Kühlschrank.
- Licht an. Erst jetzt gibt es etwas im Becken, das Licht braucht.
Korallen kommen am ersten Samstag nach dem Wasserwechsel, robuste zuerst. Ist das Becken schnell, könnte das schon der 24. Oktober sein. Wahrscheinlicher ist der 31.
Fische kommen ebenfalls erst nach der Ammoniumprobe und nur, wenn der Fisch beim Händler frisst. Findet sich keiner, bekommt das Becken bis dahin jeden Tag rund 0.5 mg/l Ammonium, damit die Bakterien nicht hungern. Mit dem ersten Fisch starten Zoo Booster und Special Blend.
Was läuft und was nicht
Läuft ab heute: Rückförderpumpe, Strömung, Heizer und Abschäumer. Die Bakterien brauchen Sauerstoff. Den bringt die Bewegung und vor allem der Abschäumer, der viel Luft durchs Wasser zieht.
Bleibt aus: Licht und UV-Klärer. Licht würde nur den Algen helfen. Der UV-Klärer würde das treffen, was wir gerade ansiedeln.
Pause, wenn Daphbio reinkommt: An jedem Abend mit Booster oder lebender Kultur bleibt der Abschäumer bis zum Morgen aus.
Kommt dazu mit den Korallen: das Licht. Es startet mit 4 Stunden bei rund 20 % und bekommt jede Woche eine Stunde und 5 % dazu.
Muss noch installiert werden: Nachfüllanlage. Ein geeignetes Gefäss muss noch besorgt werden.
Damit ist der Plan klar. Jetzt müssen nur noch die Bakterien mitmachen.